
Faszination Bienenkönigin
«Die Haltung und Zucht von Bienen ermöglichen mir wundervolle Erlebnisse, von denen sich viele Menschen nach ihrer Kindheit verabschiedet haben. An den meisten Tagen klebe ich voller Honig, meine Kleidung ist schmutzig, ich bin umgeben von Insekten und für jedes Abenteuer bereit. Wenn ich mich gerade nicht um meine Bienenstöcke kümmere, halte ich Kurse über Bienenzucht, veranstalte Touren und schütze wild lebende Völker von Honigbienen. Ein großer Teil meiner Aufgabe besteht darin, mein Wissen mit anderen auf eine Art und Weise zu teilen, die Spaß macht und einen schnellen Zugang ermöglicht. Ich hoffe, dass meine Leserinnen und Leser von den Bienen bald ebenso verzaubert sind, wie ich es bin. […] Alles was ich über diese Insekten lerne, überrascht und fasziniert mich – auch heute noch.»

Die Königin und ihr Hofstaat. © Hilary Kearney
«Sie sind Baumeister, Tänzer, Mathematiker und Akrobaten. Von ihren Tänzen bis zum Kampf um Leben und Tod haben sie niemals aufgehört, mich zu verblüffen.
Im Zentrum von all dem befindet sich eine einzelne Biene – die Königin.»
Mit diesen Worten entführt uns die Imkerin Hilary Kearney in ihrem Buch «Die Bienenkönigin» in ihre bezaubernde Welt der Bienen und deren Königin. Das Buch vereint sowohl fachliches und praktisches Wissen wie auch Unterhaltung in Form von Erlebnissen aus dem Arbeitsalltag der Autorin. Zudem finden sich im Buch in regelmäßigen Abständen ausklappbare Suchbilder bestehend aus Bienenstockfotografien, auf denen sich eine Bienenkönigin versteckt. Ähnlich der Suche nach «Walter», trifft man so im Laufe des Buches auf rund 48 Suchbilder, auf denen man aufgefordert wird «ihre Majestät» zu suchen. Man muss nicht zwingend Imker sein oder eigene Bienen halten, um dem Bann des Buches zu verfallen. Auf rund 127 Seiten lernt man so einiges über das Leben in einem Honigbienenstock und darüber, welche zentrale Rolle die Bienenkönigin darin spielt.
Wussten Sie beispielsweise, dass sogenannte «Spurbienen» regelmäßig ausfliegen, um nach neuen geeigneten Nistplätzen Ausschau zu halten? Findet sich ein neues Heim, so werden allerhand Vorbereitungen getroffen: Die Königin, welche aufgrund ihres Körpergewichts eine schlechte Fliegerin ist, muss vor dem Abflug rund ein Drittel ihres Gesamtgewichts verlieren. Dafür sorgen ihre Arbeiterinnen, indem sie sie kurzerhand auf Diät setzen: sie jagen sie im Stock herum, schubsen und beißen sie, um sie zu mehr Bewegung zu treiben. Nicht selten kann beim Umzug eines Bienenschwarms etwas schieflaufen. Beispielsweise mag das neu ausgewählte Heim den Bienen durchaus geeignet erscheinen, für uns Menschen jedoch kann das schon mal problematisch werden, wie folgendes Erlebnis der Autorin zeigt:

Wer entdeckt «Ihre Majestät» im Bienenstockgewimmel? © Hilary Kearney
BIENEN … WORIN? (S.25)
Ich erhalte einen Anruf, ich solle einen Bienenschwarm entfernen, der sich im Inneren eines Jetboots niedergelassen hat. Dies ist die seltsamste Aufforderung, die ich bis heute erhalten habe.
Als ich dort eintreffe, bleibt mir lediglich eine Stunde Tageslicht, und ich bin fälschlicherweise der Meinung, dass das Einsammeln leicht zu bewältigen sei. Die Bienen befinden sich jedoch tief im Inneren des Motorraums, und es ist schier unmöglich, sie zu erreichen, obwohl sich der Eigentümer bemüht, die Anlage weitgehend zu zerlegen.
Ich verbringe den Großteil dieser Stunde damit, blind nach Bienen zu haschen und jeweils eine Handvoll einzusammeln, wobei ich meine Schulter fest gegen das Motorgehäuse presse und ständig den Winkel verändere, um sie alle zu erwischen. Jedes Mal, wenn ich einige Bienen mit meiner behandschuhten Hand aufnehme, scheint es, dass ebenso viele in die unerreichbare Dunkelheit fallen. Angespannt suche ich in jeder Handvoll, die ich zu fassen bekomme, nach der Königin, aber sie ist nicht dabei. Frustriert mache ich weiter. Ich fühle mich schwindlig, weil ich die ganze Zeit Benzindämpfe einatmen muss. Als ich kurz aufblicke, bemerke ich, dass die Sonne gerade untergeht. Ihre feuerrote Farbe geht rasch in Violett über, in dem meine Augen nicht mehr arbeiten können. Ich bin mir sicher, dass ich die Königin nicht in meinem Bienenkasten habe. Mein Partner schlägt vor, den Verlust zu begrenzen und zumindest die Bienen mitzunehmen, die wir haben. Wir haben die Mehrzahl im Bienenkasten, aber ich kann das Gefühl nicht abschütteln, dass uns die Königin nach wie vor fehlt. Dieser nagende Verdacht zwingt mich dazu, ein weiteres Mal nach ihr zu suchen, und mit der Taschenlampe in der Hand umkurve ich den Motor. Ich spähe in einen letzten Spalt und beleuchte … niemand anderen als die Königin! Meine Freude hält jedoch nicht lange an, als ich feststelle, dass sie und der Haufen Arbeiterinnen um sie herum außerhalb meiner Reichweite sind. Meine einzige Chance, sie doch noch einzusammeln, besteht darin, dass sie freiwillig herauskrabbelt. Ich halte ihr meine Fingerspitze hin und versuche, sie mental zu beeinflussen, mir zu vertrauen.
Prompt hängt sie sich an meinen Finger, und ich ziehe sie aus dem Abgrund.
Durchs ganze Buch ziehen sich Geschichten dergleichen aus dem Alltag der Imkerin Hilary Kearney. Eingebettet ins jeweilige Kapitel liefert uns die Autorin so einen einmaligen und sehr persönlichen Einblick in die Welt der Bienen. Auf der Suche nach der Königin kommt das Buch einer Reise gleich, einer Reise durch den Aufbau und die Organisation eines Bienenstocks. Wagt man das Erlebnis und lässt man sich verzaubern, so verwundert es nicht, wenn man draußen in der Natur bewusster innehält, um nach den kleinen Fliegern Ausschau zu halten. Und wer weiss, vielleicht ergeht es uns so wie im Buch und wir erspähen sie – die Bienenkönigin.

© Hilary Kearney

© Tosca Radigonda
Hilary Kearney ist die Gründerin von Girl Next Door Honey, einem Bienenzucht-Unternehmen, das jedes Jahr Hunderte von Imkerinnen und Imkern ausbildet. Sie veröffentlicht regelmäßig Beiträge auf ihrem Blog Beekeeping like a girl, aber auch in den Zeitschriften Modern Farmer und Grit Magazine. Über ihre Arbeit berichteten unter anderem die Huffington Post, Vogue und Mother Earth News. Hilary Kearney rettet Bienenschwärme und betreut aktuell 90 Bienenvölker in ihrer Heimatstadt San Diego.
Die Informationen stammen aus dem Buch «Die Bienenkönigin» von Hilary Kearney.