
Korbflechten mit Papierstreifen: Ein Selbstversuch von Autorin Monika Künti
Eine Technik, zwei Materialien!
Wir haben unsere Flechtwerkgestalterin und langjährige Autorin Monika Künti gebeten, sich mit dem neusten Flechtbuch in unserem Programm, «Korbflechten mit Papierstreifen» von Dorothy McGuinness, auseinanderzusetzen.
Innert kürzester Zeit hat Monika eingewilligt und so ist dieser nachfolgende Beitrag entstanden: Ein Selbstversuch der Umsetzung eines Projekts aus dem Buch von Dorothy McGuinness, anhand von zwei unterschiedlichen Materialien.
Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen und Eintauchen in die Welt des Flechtens!
KORBFLECHTEN MIT PAPIERSTREIFEN
Ein Selbstversuch von Monika Künti
Ein neues Buch übers Flechten – wunderbar, dachte ich und wartete gespannt auf das Erscheinen des Buches. Im amerikanischen Original heißt das Werk «The Art of Contemporary Woven Paper Basketry – Explorations in Diagonal Twill».
Nach einem ersten Einblick ins Buch sehe ich, dass es tatsächlich ausschließlich um Köpermuster im Diagonalgeflecht (Diagonal Twill) geht und nicht allgemein ums Korbflechten.
Was sind Köpermuster?
Generell gehen bei geflochtenen Köpermustern die einzelnen Flechtelemente (streifenförmig oder rundquerschnittig) immer über, und unter mehr als ein weiteres Flechtelement, beispielsweise über 2/unter 2, über 3/unter 3 ,wobei sich dieser Rhythmus fortlaufend wiederholt und das jeweilige Muster bildet. Bei der aller einfachsten Flechttechnik, der Leinenbindung, gehen alle Flechtelemente immer nur über 1/unter 1.
Es gibt zwei Sorten Köpermuster: Bei den einen stehen die Flechtelemente waagrecht-senkrecht (in meinem Buch «Aus Streifen geflochten», orthogonal genannt) zueinander, bei den andern stehen die Flechtelemente diagonal zueinander.
Bilder als Illustration gefällig? Folgende Abbildungen stammen aus meinem Buch «Aus Streifen geflochten»:
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Köpermuster im dreidimensionalen Diagonalgeflecht (Körbe z.B.) und vor allem mehrfarbige solche Köpermuster, gehören weltweit zu den komplexesten Flechttechniken überhaupt und sind in punkto Fertigung sehr anspruchsvoll.
Besonders raffiniert sind die Konstruktionen, bei denen das Muster des Korbbodens «nahtlos» in den Korbwänden fortgeführt wird. Alle Objekte im Buch von Dorothy McGuinness gehören in diese Kategorie. Dazu sind nicht nur Geduld, sondern auch einige Kunstgriffe nötig, welche die Autorin in ihrem Buch ausführlich beschreibt und bebildert.
HERSTELLUNG VON FLECHTSTREIFEN MIT DER NUDELMASCHINE
S. 22-31 im Buch «Korbflechten mit Papierstreifen»
Seit Jahren mache ich meine Flechtstreifen aus Papier entweder mit der Schere von Hand oder meist mit einer Hebelschneidemaschine. Dass man zur Streifenherstellung auch eine Nudelmaschine verwenden könnte, ist einfach eine grandiose Idee, auf die man ja erst mal kommen muss! Sofort begann ich meinen Bekanntenkreis nach vorhandenen Nudelmaschinen abzufragen und wurde gleich mehrfach fündig – man muss also nicht einmal etwas kaufen …
Weiter habe ich meinen Papierfundus nach Aquarellpapier durchsucht und tatsächlich einige Stücke in beachtlicher Länge und mittlerer Stärke aufgestöbert.
Auch zwei alte angefangene Gläschen Acrylfarbe in zwei Farbtönen fanden sich und so konnte das Bemalen des Papiers nach Anleitung von Dorothy McGuinness losgehen.
In Ermangelung einer Farbwalze benutzte ich einen Pinsel. Das Ergebnis wurde etwas fleckig, was aber später an den einzelnen Streifen nicht mehr störend war.
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Als regelrechtes Fest entpuppte sich das Schneiden der Streifen auf der Nudelmaschine!
Meine Papierbänder waren 9-10 cm breit und die verwendete Walze der Nudelmaschine ergab Flechtstreifen von 7mm Breite.
Die Länge meiner Flechtstreifen bewegt sich zwischen 107-118 cm, also länger als diejenigen von Dorothy McGuinness aus dem Format A1 (60 x 84 cm) geschnittenen Streifen.
Nach ersten ziemlich kurvigen Resultaten kapierte ich, dass das Papierband akkurat entlang der Kante bei der Kurbel geführt werden muss.
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Die von mir benutzte Maschine war schon ein älteres und oft benutztes Model, jedenfalls kamen die Streifen noch ganz leicht zusammenhängend aus der Walze – im Gegenlicht ein wunderbarer Anblick!
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Das Trennen in Einzelstreifen war kinderleicht und überhaupt kein Problem. Nun war ich gerüstet für das erste Projekt!
PROJEKT 1: KORB MIT VIER ECKEN AUF QUADRATISCHEM BODEN
S. 36-39 im Buch «Korbflechten mit Papierstreifen»
Dass für ein unterbruchfreies Weiterlaufen des Köpermusters an den Korbwänden ein Kunstgriff nötig ist, weiß ich eigentlich seit Jahren; habe das auch schon öfters abgezählt und aufgezeichnet, aber tatsächlich noch nie in der Praxis gemacht – entsprechend gespannt begann ich, die Anleitung zu befolgen.
Bildung der Bodenfläche
Dorothy McGuinness beginnt in der Bodenmitte zu flechten. Dieses Prinzip beschreibe ich ebenfalls in meinem Buch «Aus Streifen geflochten» (ab S. 70).
Der Boden im ausgewählten Projekt wird mit einem speziellen Kunstgriff geflochten, welcher das zweifarbige Muster entlang von zwei Symmetrieachsen sozusagen in vier Vierteln anordnet.
Es betrübte mich ziemlich, dass ich es so schwierig fand, bei den Abbildungen im Buch zu erkennen, ob nun links oder rechts herum gedreht werden sollte. So musste ich das Konstrukt einige Male wieder auflösen, bis das Resultat dem gezeigten Vorbild im Buch entsprach.
In Eigenregie habe ich schon von Anfang an Klammern als temporäre Sicherung des entstehenden Geflechtes benutzt und meine Arbeit auf einem Modelierbock (ein höhenverstellbares Bügelbrett ginge alternativ auch) aufgebaut.
So arbeitete ich stehend, die langen Flechtelemente konnten nach alle vier Seiten abfallen.
Statt das Geflecht nach Anleitung jeweils um 180 oder 90 Grad zu drehen, konnte ich mich so komfortabel selber um die angefangene Arbeit drehen.
Zudem habe ich mit zwei Gewichtssteinen anfangs einen Teil der Flechtelemente temporär beschwert.
Wichtig zu bedenken ist, dass es immer Dreier-Gruppen von Elementen sind, welche pro Erklärungsschritt richtig eingebaut werden müssen! Das unten stehende Bild zeigt diese Dreiergruppe vor dem Anschieben ans fertige Geflecht.
Nach viel Seufzen und einigen Anläufen sah es schließlich so aus:
Da ich mich nicht an die Bildung von Ecken wagen wollte, ohne diese Fläche zu stabilisieren (nur vier Klammern wie bei der Autorin wären mir zu wenig) fügte ich eine Runde Zwirnbindung (S. 66-67 in meinem Buch «Aus Streifen geflochten») aus Perlgarn um die geflochtene Fläche. Jetzt konnte ich ohne das fertige Geflecht aus der Ordnung zu bringen, alle Elemente rundum auf die gleiche Länge bringen und die Arbeit problemlos von der Fläche in die Hand aufnehmen – bereit zum Flechten der vier Korbecken.
Bevor ich nun den Aufbau der Korbwände an diesem Korb beschreibe, zeige ich noch einmal den Aufbau des Bodens – diesmal mit breiten Streifen aus Kamihimo-Papierband (15 mm breit), ebenfalls in zwei Farben. Das ist ein Material, das man fertig als Band und in vielen Farben kaufen kann. Das Herstellen von Streifen entfällt also. Das Material wird aufgerollt geliefert, was sich – wie sich später zeigen wird – in einer Tendenz zum Einrollen zeitweise unangenehm bemerkbar machen wird.
Ich habe wiederum 36 Elemente in zwei Farben; jedes Element 130 cm lang.
Ich beginne also wieder von vorn auf S. 36 beim Projekt 1 im Buch von Dorothy McGuinness. Beim Arbeiten habe ich den Mittelpunkt meines Bodengeflechtes zusätzlich mit einer Stecknadel markiert – es ist wichtig, aber gar nicht einfach, während dem Flechtprozess diese Mitte immer klar zu erkennen!
Weiter habe ich erkannt, dass immer die Flechtschritte von jeweils drei Streifen (Dreiergruppe) wiederholt werden.
Auf dem Foto unten habe ich das mit drei Holzstäbchen verdeutlicht, die Bodenmitte bei der Stecknadel.
Das Muster der roten «Holzstäbchenreihen» wird oberhalb in die noch unverflochtenen beigen Streifen mit drei neuen roten Streifen eins ums andere «einkopiert».
Statt in der Anleitung zu lesen, habe ich die Flechtschritte an den Stäbchenreihen abgelesen. Dabei lese ich die Reihen gespiegelt ab: Also zuerst die Reihe ganz bei der Stecknadel, dann die nächste nach außen, usw. Auf dem Bild unten sieht man die erste der drei Reihen, noch nicht ganz ans schon bestehende Geflecht angeschoben.
Auf dem Foto ginge der nächste rote Streifen von rechts nach links ü1/u2/ü2/u3/ü1 und der letzte rote Streifen ginge von rechts nach links ü2/u1/ü1/u3/ü2.
Das nächste Foto zeigt die zu kopierenden Reihen mit Stäbchen markiert. Auf dem ersten Foto sind die drei neu eingeflochtenen Elemente (beige Streifen rechts) zur besseren Sichtbarkeit noch nicht ganz an das bestehende Geflecht angestoßen.
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Dann die ganze Situation um 90 Grad nach links gedreht, wieder 3 Reihen mit Stäbchen markieren und drei neue rote Streifen (von der rechten Seite her) «einkopieren». Jetzt ist das Bild der fertigen Fläche wieder quadratisch.
Dieses Manöver mit dem «Einkopieren» wird noch einmal auf zwei Seiten durchgeführt,
bis die fertig geflochtene Bodenfläche aus 18 x 18 Streifen besteht.
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Nach einem Schluss-Check, ob wirklich alles richtig liegt (blinzelnd übers fertige Geflecht schauen hilft!) habe ich die Fläche wiederum mit einer Runde Zwirnbindung stabilisiert.
AUFBAU DER KORBWÄNDE
S. 40-45 im Buch «Korbflechten mit Papierstreifen»
Da man zur Bildung der vier Korbecken die Arbeit vom Tisch in beide Hände nehmen muss, war ich gut bedient mit der mit Zwirnbindung abgesicherten Arbeit.
Bei den Bildern geht es nun wieder weiter mit dem Korb aus gefärbtem Aquarellpapier.
Wichtig zu wissen und phänomenal als Tatsache ist, dass sich das geplante dreidimensionale Objekt jetzt einzig aus den vielen überhängenden Flechtelementen bilden lässt – es kommt überhaupt kein zusätzliches Material mehr ins Spiel!
Bis mindestens zum Anleitungsschritt 14 (von 26) im Projekt 1 habe ich gut mit den Anleitungen von Dorothy McGuinness arbeiten können. Nachher habe ich meinen Weg etwas «Freestyle-mäßig» gesucht, mir dabei immer vergegenwärtigt, dass Bereiche der Grundfläche schon Teile der Korbwände sind.
Außerdem habe ich viele kleine Klammern (aus dem Bastelbedarf) als Hilfsmittel eingesetzt, die Sache ist nämlich anfangs noch sehr unstabil. Nach den ersten drei Umgängen wird es aber tatsächlich besser. Wunderbar, wie sich automatisch querlaufende Köpergrate aufbauen.
Bei mir entsprachen die drei ersten Runden auch gerade schön der «Eck-Höhe» der «zwirnbindigen» Sicherungsrunde.
Weiter ging es Runde um Runde, beide Hände kamen gleichberechtigt zum Einsatz – man muss seine Hände so organisieren, dass sie zusammen ein Team bilden, die Handgriffe sind rechts und links herum arbeitend immer spiegelbildlich gleich und nach einiger Zeit kommt man in einen höchst angenehmen Rhythmus.
Dank den regelmäßig und häufig gesetzten Klammern gestaltete sich bei mir das Verdichten der Korbwände nicht so schwierig.
Wie habe ich die Runden begonnen?
Zunächst sorge ich dafür, dass ganz akkurat richtungsbezogen die einen Flechtelemente innen, resp. außen liegen.
Wenn beispielsweise die äußeren Elemente alle nach rechts weisen, biege ich mir eine Anzahl davon linkerhand auf, so dass ich eine gute Sicht auf die unten liegenden, nach links weisenden Elemente erhalte.
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Mit der linken Hand fasse ich in diese Elemente und beobachte, welches der aufgebogenen Elemente als erstes durch die Elemente in der linken Hand geflochten werden soll – es ist das erste rechterhand in den aufgebogenen Gruppe, auf dem Foto bei mir ist es pinkfarbig (aufgebogen, die nun nach unten weisende Seite ist grün).
Zum besseren Verständnis habe ich auf dem Foto mit Bleistift 1/2/3 die zu überflechtenden Elemente angeschrieben (3, weil es ein Köper über3/unter3 ist).
Mit der rechten Hand pflücke ich dieses unten pinkfarbige Element (man sieht es nun wieder grün oben) und führe es über drei grüne Elemente nach rechts und anschließend ganz auf die Innenseite des entstehenden Korbes.
Schließlich pflücke ich mit der rechten Hand das nächste Element links und führe es über 3 grüne Elemente nach rechts und nach innen, usw. bis die Runde fertig ist.
Auf dem Foto arbeite ich also linksherum, der fertige Flechtbereich liegt rechterhand und mit der Zeit zeigt sich, dass die außen liegenden, nun wartenden Elemente alle nach links weisen.
Bei konsequenter Wiederholung dieses Flechtschrittes habe ich am Schluss der Runde wieder zwei Schichten Elemente, die einen nach innen, die anderen nach außen weisend.
In der nächsten Runde wechseln linke und rechte Hand dann ihre Arbeitsschritte und es wechselt die Flechtrichtung. Beim Arbeiten flüstere ich fortwährend mein Sprüchli, z.B. «über 3 nach innen» – das hilft!
Beim Verflechten des steiferen und breiteren Kamihimo-Bandes war es zunächst sehr chaotisch, weil die Flechtstreifen (trotz des in Gegenrichtung über die Tischkante Ziehens zu Beginn der Bodenflächenbildung) stark zum Einrollen neigten.
Mit etwas Sturheit, vielen Klammern und langsamem Tempo gelang schließlich auch diese Eckbildung und der Aufbau der Korbwand.
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BILDUNG DER KORBRÄNDER
ab S. 74 im Buch «Korbflechten mit Papierstreifen»
Beim Korb aus Aquarellpapier fertigte ich einen einfachen Rand mit nach außen Umklappen und ins fertige Geflecht Verstätens (S. 51 in meinem Buch «Aus Streifen geflochten») der Elemente.
Bei meinem Korb habe ich die Elemente jeweils nicht ganz so weit ins fertige Geflecht zurückgeführt, wie es von der Autorin Dorothy McGuinness beschrieben wird.
Zunächst wird das Geflecht rundum noch auf Flechtfehler kontrolliert – auf dem Foto unten kann man sehen, dass sich bei der Klammer links ein Fehler eingeschlichen hat; ein Element geht über 4 statt 3.
Man muss aufpassen wie ein «Häftlimacher»! Als Hilfsmittel für Korrekturen und Verdichten des Geflechtes eignet sich eine Stricknadel oder eine stumpfe Nähnadel.
Anschließend habe ich sämtliche Flechtelemente an ihrem Ende angeschrägt, dann geht das Verstäten ins fertige Geflecht viel einfacher.
Die Randbildung erfolgt hier immer mit Paaren, je ein Element aus beiden Richtungen.
Das gegen das Korbinnere gelegene Element faltet sich über das Partnerelement und flechtet sich an der nächstmöglichen Stelle ins fertige Geflecht.
Dann macht man fortwährend nach rechts arbeitend dasselbe mit allen anderen Paaren.
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Wenn diese Runde fertig ist, werden alle verbleibenden, noch stehenden Flechtstreifen ins fertige Geflecht verstätet und zwar so, dass sie jeweils grad an der ersten möglichen Stelle über1/unter 3 gehen.
Nach Beendigung dieser Runde sieht der Korb wie eine Tänzerin aus!
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Die Reste der Flechtelemente können entweder abgeschnitten oder weiter ins fertige Geflecht zurück geflochten werden. Oder wie bei mir als «Freestyle-Korbrand» ausgefranst und stehen gelassen werden.
Jetzt musste nur noch der Hilfsfaden herausgetrennt werden – und fertig war mein erster Versuch:
Für den Korb aus Kamihimo-Streifen wäre ein Umbiegen und Zurückflechten zu steif geworden und sehr wahrscheinlich auch nicht gerade hübsch anzusehen. So habe ich mich für einen Korbrand mit Zusatzelementen entschieden. Ab S. 79 beschreibt Dorothy McGuinness verschiedene solcher Abschlüsse.
Zunächst habe ich die letzten zwei Umgänge über1/unter1 geflochten, das schien mir etwas haltbarer als im Köpermuster. Vor dem Zurückschneiden habe ich die jeweils zusammengehörenden Flechtelementpaare mit einem kleinen Stück doppelseitig klebendem, durchsichtigen Band fixiert.
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Anschließend legte ich innen und außen ein Stück Kamihimo-Band um die abgeschnittenen Enden (eine Art Sandwich-machen: zwei Bänder und innen die abgeschnittenen Enden), befestigte alles gut mit Klammern und nähte alles anschließend mit doppeltem Perlgarn und einer stumpfen Nadel fest: Mit simplem überwendligem Stich, einmal links herum und einmal rechts herum.
Nach dem Heraustrennen des Hilfsfadens sah auch dieser Korb ganz passabel aus.
ANDERES MATERIAL FÜR NUDELMASCHINEN-STREIFEN
Aus Neugier habe ich noch andere Materialien mit der Nudelmaschine in Streifen geschnitten.
Ich kann folgende Erfahrungen zusammenfassen:
- Allein zu arbeiten, finde ich schwierig. Vierhändig geht gut, eine Person führt das Papierband durch die Walze und die andere Person nimmt unten die herauswachsenden Streifen in die Hände und zieht ganz leicht an diesem länger werdenden Bündel.
- Zeichenpapier 120 g/m² geht gut, man kann es sogar doppelt nehmen.
- Packpapier 90 g/m² geht gut, es sind aber, bedingt durch das geringe Papiergewicht, ziemlich fragile Streifen.
- Gewöhnliches Kopierpapier 90 g/m² geht gut. Ergibt ebenfalls ziemlich fragile Streifen.
- Handgeschöpftes Papier (meine Beispiele aus Indien und Laos, Papiergewicht nicht bekannt) gehen besser als erwartet, neigen aber zum «Verrumpfen» (ähnlich wie Stoff) und Schiefziehen auf der Walze. Außerdem bleiben die Streifen leicht zusammengehängt, wie beim Aquarellpapier meines ersten Versuches. Das Streifentrennen geht aber recht gut.
- Bambuspapier 300 g/m² geht prima. Leider hatte ich nur Format A4 zu Hand. Diese Streifen entsprechen wohl am besten dem Papier, welches Dorothy McGuinness in ihrem Buch verwendet.
- Generell sind die Schnittkanten mehr oder weniger leicht faserig, also deutlich anders als mit Schere oder Messer geschnitten.
- Einige Papiere neigen nach dem durch die Walze laufen ziemlich zum Einrollen.
FAZIT
Das Streifenschneiden mit der Nudelmaschine ist wirklich ein toller Tipp – es lässt sich prima mit solchen Streifen flechten!
Das von mir ausprobierte Muster eignet sich gut für beide verwendeten Materialien, den Aquarellpapierstreifen und dem viel steiferen Kamihimo-Band.
Mit dem steifen und breiten Material geflochten ist der Korb zwar viel grösser und auch ziemlich schnell geflochten – ob aber einfacher, wage ich nicht zu behaupten …
Was ich beeindruckend finde, ist wie sich das Muster der Anfangsfläche (in vier Richtungen laufende farbige Streifen) in der Wand des Korbes zu querlaufenden Graten in zwei Richtungen verwandelt.
Sozusagen als Zugabe ergeben sich verblüffende vier unifarbene, abwechselnd angeordnete Quadrate – was für ein Gegensatz zum Anfangsmuster!
Diese Beobachtung führt mich direkt zu Margrit Linder und ihren wunderbaren Dokumentarfilmen zu den diagonal geflochtenen Matten und Körben in Nord-Kalimantan. Die kunstvoll aus Naturmaterial geflochtenen Strukturen zeigen atemberaubende Muster, welche voller Bedeutung und überlieferten Geschichten sind.
Es lohnt sich, auf ihrer Webseite unter «Film» einen Eindruck davon zu gewinnen.
Meine Hochachtung und Bewunderung für die Handwerkskunst dieser Flechterinnen ist durch die eigene Erfahrung mit diesem Experiment aus dem Buch «Korbflechten mit Papierstreifen» noch um ein Mehrfaches gestiegen!
Wie ist es überhaupt möglich, sich solch komplexe Muster auszudenken? Und sie dann auch zu flechten, ohne schriftliche Anleitung, allein durch Überlieferung von Generation zu Generation! Ganz einfach großartig!
Gerne werde ich mich noch weiter mit Projekten aus dem Buch von Dorothy McGuinness befassen – es bleibt noch viel zum Ausprobieren und Entdecken!
Fotos: ©Monika Künti
Monika Künti ist Autodidaktin, gelernte Korb-und Flechtwerkgestalterin und engagierte Kursleiterin. Neugierig sucht sie nach neuen Horizonten in den jahrtausendealten, webstuhlunabhängigen Textilen Techniken. Ihre Themenschwerpunkte sind die Einhänge- und Verschlingtechniken und das Flechten. Zunächst erforscht sie die traditionellen Arbeitsweisen, um dann experimentierend eigene Ideen zu verfolgen. www.flechtwerk.ch
Dorothy McGuinness gestaltet seit über 20 Jahren skulpturale Körbe in Köperbindung im Diagonalgeflecht. Als Flechtmaterial verwendet sie mit Acrylfarbe eingefärbtes Aquarellpapier. Sie verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Korbflechten und hat sich in dieser Zeit die unterschiedlichsten traditionellen Techniken angeeignet. Sie war bei zahlreichen lokalen, nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten und hat mehrere nationale und internationale Preise gewonnen. Was sie am Flechten mit Papier am meisten fasziniert, ist die Möglichkeit, mit Farben, Mustern und Designs zu spielen und immer wieder neue skulpturale Formen zu entwickeln.
Dorothy McGuinness wurde 1961 im US-amerikanischen Bundesstaat Washington geboren und lebt in Everett, Washington.