
Atlas der Säugetiere: Bereits in 2. Auflage
Soeben ist der «Atlas der Säugetiere – Schweiz und Liechtenstein» bereits in zweiter Auflage erschienen. Herausgegeben wird er von der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Über 70 Autorinnen und Autoren haben dafür Texte geschrieben. Das reich illustrierte Buch beschreibt die 99 Säugetierarten, zeigt deren Verbreitung und behandelt zentrale Themen zur Lebensweise und zum Schutz der Fauna.

Der Luchs ist zurück im Jura und weiten Teilen der Voralpen und Alpen. Für das längerfristige Überleben sind die aktuellen Populationen aber noch zu klein. Eine länderübergreifende Verbindung der Populationen ist deshalb anzustreben. Foto © Thomas Marmet
Damit ist die bislang größte Erhebung der Säugetiere in der Schweiz und in Liechtenstein abgeschlossen: 99 Arten wurden nachgewiesen, 12 mehr als bei der letzten Übersicht von 1995. Einige der Arten wie Wölfe oder Fischotter sind zurück, andere wie Walliser Spitzmäuse oder die Kryptische Fledermaus wurden neu entdeckt. Basierend auf über einer Million Beobachtungen dokumentiert das Buch das Vorkommen der Säugetiere so genau wie nie zuvor.

Mit einer Kopf-Rumpflänge von rund 4.5 cm und einem Gewicht von gut 2 Gramm gilt die Etrusker Spitzmaus als kleinstes Säugetier der Welt. Ihr Vorkommen beschränkt sich auf die südlichsten Gebiete der Schweiz im Tessin. Foto © Jacques Gilliéron
Neben den Säugetierarten, die im Vergleich zu 1995 neu beobachtet werden konnten, haben die Expertinnen und Experten bei einigen Säugetierarten zudem eine deutliche Zunahme ihrer Verbreitung nachgewiesen. Dazu gehören Luchs, Wolf, Wildkatze, Biber oder Rothirsch. Viele kleine und mittelgroße Säugetierarten dagegen sind unter starkem Druck. So sind über die Hälfte der Fledermäuse auf der Roten Liste. Ihre Lebensräume und ihre Nahrung, vor allem Insekten, schwinden; Lichtemissionen und Umweltgifte nehmen zu. «Die größeren Säugetierarten haben heute ihren Platz in der Schweiz wieder gefunden, teilweise dank der Hilfe des Menschen. Mehr Aufmerksamkeit verdienen aber auch die kleinen, unscheinbaren und teils gefährdeten Arten. Hier besteht Handlungsbedarf», sagt Roland Graf, Projektleiter der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie.

Wie kaum eine andere Fledermausart meidet die Kleine Hufeisennase nächtlich beleuchtete Gebiete. Eine Zunahme der Lichtverschmutzung in Quartiernähe führt fast zwangsläufig zu ihrem Verschwinden. Foto © René Güttinger | RGBlick
Über 1 Million Daten
Sichtungen, Beutetiere von Katzen, Spuren, Kot, Ultraschall, genetische Analysen und weitere Methoden – Säugetierexpertinnen und -experten diverser privater Organisationen und öffentlicher Stellen, sowie Tausende von Helferinnen und Helfern haben die Säugetiere, viele davon scheu und nachtaktiv, mit einigen Tricks nachgewiesen. So sind in der nationalen Datenbank info fauna 1’141’000 Beobachtungen seit dem Jahr 2000 zusammengekommen. Diese umfangreiche Datenbasis liefert das bislang genaueste Bild über das Vorkommen von Säugetieren in der Schweiz und Liechtenstein. «Die neuen Methoden und Netzwerke, gerade auch im Bereich Citizen Science, sind eine starke Basis für das künftige Monitoring der Säugetiere in der Schweiz», sagt Roland Graf.

Kleine und mittelgroße Säugetiere lassen sich heute auch mit Fotofallenboxen nachweisen, sofern sie auf Grund körperlicher Merkmale auf Artniveau bestimmt werden können. Dieses Hermelin untersucht die spannende Struktur und wird von der Kamera erfasst. Foto © ZHAW Wädenswil
Das Projekt ist finanziell breit abgestützt. So haben alle Kantone und das Fürstentum Liechtenstein, sowie diverse Stiftungen und zwei Naturschutzorganisationen die Datensammlung oder die Entstehung des Buches unterstützt.
Das große Werk zu den Säugetieren ist auch in Französisch und Italienisch erschienen.
Die Schweizerische Gesellschaft für Wildtierbiologie SGW-SSBF befasst sich mit der Erhaltung und der wissenschaftlichen Erforschung wildlebender Säugetiere und Vögel. Sie wurde 1980 als Verein gegründet und ist seit 1984 eine Fachgesellschaft innerhalb der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften SCNAT. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Weiterbildung. So organisiert die SGW jährlich eine Fachtagung und bietet Kurse in Säugetierbiologie in Zusammenarbeit mit Behörden, Hochschulen und Naturmuseen an.
Prof. Dr. Roland F. Graf ist diplomierter Umweltwissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH in Zürich, wo er 2005 auch promovierte. Seit 2012 leitet er die Forschungsgruppe Wildtiermanagement WILMA an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Wädenswil. Roland Graf ist seit 2008 Mitglied des Vorstands der SGW.
Prof. Dr. Claude Fischer unterrichtet seit 2006 als Lehrbeauftragter an der Haute école du paysage, d’ingénierie et d’architecture HEPIA in Genf, seit 2013 als Professor. Als selbständig tätiger Biologe lag sein Schwerpunkt in der wildtierbiologischen Feldarbeit. Claude Fischer ist seit 2007 Vorstandsmitglied der International Union of Game Biologists (IUGB) und seit 2009 Vorstandsmitglied der SGW.