
Das Element Wiese: So geht Naturgarten
Ein Garten soll Kindern Platz zum Spiel bieten, ein Wohlfühlort für laue Sommerabende und gemütliche Grillvergnügen sein, zugleich aber auch vielen Pflanzen- und Tierarten als wertvoller Lebensraum dienen – geht das überhaupt?
Ja, wenn wir uns auf einzelne Gartenelemente konzentrieren. Dann können wir den eigenen Garten trotz verschiedenen Nutzungsarten (auch) zu einem Naturgarten machen: im Rasen eine kleine Blühfläche mit einheimischen Blumen bepflanzen, den alten Obstbaum für zahlreiche Insekten und den Buntspecht stehen lassen, obwohl er längst keine Früchte mehr trägt. Diese und viele weitere Möglichkeiten tragen dazu bei, die heimische Flora und Fauna zu fördern und zu unterstützen. In ihrem neuesten Buch «So geht Naturgarten» zeigt Katja Falkenburger, wie es geht.
Jetzt fragen Sie sich bestimmt, wo Sie am besten anfangen. Den Garten von 0 auf 100 zu einem Naturgarten umzugestalten, kann ganz schön überfordernd sein. Gut, dass Katja Falkenburger in ihrem Buch dafür einen übersichtlichen Baukasten mit individuell wählbaren Elementen für uns bereithält. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, wie vielfältig sich eine Wiese gestalten lässt. Willkommen zum ersten Schritt in Ihren Naturgarten!
DIE EBENEN DER WIESE
Laut einer Studie aus Großbritannien wurden allein in einem Hektar Wiesenfläche 2000 bis 5000 Insektenarten gefunden, die in den verschiedenen Ebenen der Blüten-, Blatt-, Streu- und Bodenschicht einer extensiv bewirtschafteten Wiese leben können. Diese Artenvielfalt ist allerdings nur möglich, wenn Wiesen schonend beweidet oder gemäht werden und keine zusätzliche Düngung mit Gülle oder Kunstdünger vorgenommen wird.
- Blütenschicht: Blühende Gräser und Wiesenblumen bilden die Blütenschicht einer Wiese. Während Gräser hauptsächlich vom Wind bestäubt werden, locken Blüten mit Nektar und Pollen Insekten zur Bestäubung an. Die Blütenschicht produziert große Mengen an Samen, die eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Lebewesen der Streu- und Bodenschicht darstellen.
- Blatt-/Stängelschicht: Die Blatt- und Stängelschicht einer Wiese bietet reichlich Nahrung für Säugetiere wie Wild- und Weidetiere sowie für Vögel. Sie ist Lebensraum für Blattläuse, Spinnen, Schmetterlingsraupen und Grashüpfer, ebenso für bodenbrütende Vögel wie Wiesenpieper und Lerchen. Raubvögel und andere Jäger spüren hier ihre Beute in Form von Mäusen, Vögeln, Fröschen und Eidechsen auf.
- Streuschicht: In der Streuschicht einer Wiese sammeln sich abgestorbene Pflanzenteile, die Feuchtigkeit speichern und die Erde vor Austrocknung schützen. Dieses organische Material dient als Nahrung und Lebensraum für humusbildende Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Algen sowie für Würmer, Asseln, Tausendfüßler, Ameisen, Käfer und Schnecken.
- Bodenschicht: Ein Teelöffel Boden kann Schätzungen zufolge Milliarden von Mikroorganismen enthalten, die zusammen mit Springschwänzen, Kompost-, Faden- und Borstenwürmern für die Bodenfruchtbarkeit sorgen. Wühlende Maulwürfe und Mäuse spielen in der Bodenschicht ebenfalls eine wichtige Rolle, da sie die Erde durchlüften, umschichten und ihre Gänge von weiteren Arten genutzt werden.
Katja Falkenburger stellt in ihrem Buch verschiedene Wiesenelemente vor. Wir haben zwei davon ausgewählt und verraten dafür besonders passende Pflanzen:
GESÄTE MAGERWIESE
Schon bestehende Wiesen sollten vor einem Eingriff gründlich auf schützenswerte, regionale Pflanzenbestände untersucht werden, denn auch hochwertige Saatgutmischungen können nicht die gesamte Bandbreite an standorttypischen Pflanzenarten abdecken.
Zur Bodenvorbereitung vor einer Einsaat sollte die nährstoffreiche Grasnabe mitsamt Wurzeln flächig etwa 5 bis 10 cm tief entfernt und die darunterliegende Erde leicht gelockert werden. Besonders gründlich ist die Vorbereitung, wenn in den darauffolgenden Wochen aufkeimende, noch im Boden vorhandene Saat mit einer Hacke gejätet wird.
Für eine dauerhafte Artenvielfalt ist es wichtig, dass sich Blühpflanzen regelmäßig über Samen vermehren und sich genetisch an den jeweiligen Standort anpassen können. Der Zeitpunkt der Mahd ist dabei entscheidend, da die Samen von Wiesenpflanzen unterschiedlich lange reifen. Eine sogenannte Staffel- oder Stufenmahd ist dabei besonders effektiv für die Artenvielfalt, da man damit einzelne Pflanzenarten bis zur Samenreife stehen lassen kann.
Passende Pflanzen für eine gesäte Magerwiese – mehr Empfehlungen finden Sie im Buch:
Wilde Möhre
Wiesen-Salbei
Wiesen-Flockenblume
Spitzwegerich
GESÄTE, BUNTE BLÜHFLÄCHE
Für maximale Blühleistung ist man bei Feld- und Ackerkräutern sowie Pionier- oder Ruderalpflanzen an der richtigen Adresse.
Für eine optimale Keimung sollte der Boden möglichst frei von Bewuchs sein und leicht gelockert werden. Außerdem sind anfangs regelmäßiges Gießen oder alternativ eine feine, lichtdurchlässige Mulchschicht aus Grasschnitt von Vorteil, um den Boden durchgängig feucht zu halten. Eine Einsaat kann je nach Saatgutmischung im Sommer und Herbst zur natürlichen Saatgutreife erfolgen, ist aber auch im zeitigen Frühjahr möglich.
Wenn bei der Pflanzenauswahl außerdem auf eine gute Durchmischung der Blütenformen geachtet wird, kommt dies vielen besonders spezialisierten Insektenarten zugute. Mit der Anlage eines Naturgartens, einer Blühfläche oder eines Blühstreifens werden daher Tiere aus der ganzen Umgebung magisch angezogen.
Passende Pflanzen für eine gesäte bunte Blühfläche – mehr Empfehlungen finden Sie im Buch:
Färberwaid
Einjähriges Silberblatt
Klatschmohn
Hasen-Klee
Fotos: © Katja Falkenburger
Text: adaptiert und gekürzt aus «So geht Naturgarten»
Katja Falkenburger ist leidenschaftliche Gärtnerin und aktives Mitglied der Naturschutzverbände NABU und BUND. In ihrem 6000 m2 großen Garten und Wiese findet sich alles, was die Artenvielfalt aufleben lässt: vielfältige Geländeformen und Klimazonen, natürliche Materialien, unterschiedliche Strukturen sowie einheimische Pflanzen – Elemente, die sich kreativ gestalten und kombinieren lassen, Leben in Gärten bringen und so zu erfreulichen Entdeckungen von immer wieder neuen Arten führen.