
Gartenschätze: 4 Pflanzen im Porträt
Sie sind weder rar noch teuer, weder pflegeaufwändig noch exotisch und doch werden diese Pflanzen oft übersehen. In «Gartenschätze» porträtiert Falk-Ingo Klee 100 Arten und Sorten, die sich in unseren Breitengraden wohl fühlen, und die allesamt ungewöhnlich sind. Die Bandbreite dieser Gartenschätze reicht dabei von Zwiebel- und Knollengewächsen über Stauden und Kletterpflanzen bis hin zu Gehölzen. Während die einen besonders früh oder lange blühen, eignen sich andere für schwierige Standorte wie schattige und feuchte Ecken, sind besonders winterhart oder zeigen auch in langen Trockenperioden attraktive Blüten.
Im Folgenden stellen wir Ihnen hier je einen Vertreter aus der Kategorie Gehölze, Zwiebel- und Knollengewächsen, Stauden und Kletterpflanzen vor:
Zwiebel- und Knollenblütler:
Puschkinie
Puschkinia scilloides var. libanotica

Foto: Blumenzwiebel-Versand Bernd Schober
Mit der Puschkinie holen Sie sich einen problemlosen, dauerhaften Frühlingsblütler in den Garten, der sich bereitwillig vermehrt und so immer größere Tuffs bildet. Zudem ist die Pflanze winterhart, bienenfreundlich und unempfindlich gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Die Zeichnung der zart duftenden Puschkinien-Blüten ist einmalig im Pflanzenreich: Auf weißem Grund finden sich feine blaue Streifen, sodass die einzelnen Glöckchen wie zartblau schimmerndes Porzellan wirken. Es gibt auch eine reinweiße Sorte (Puschkinia scilloides var. libanotica ‚Alba‘), die aber fast schon banal wirkt, da ihr diese Einzigartigkeit abgeht.Höhe, Blütenzeitraum und Ansprüche sind bei den verschiedenen Sorten dieser Art alle gleich. Eine Handschaufel voll Sand, feinen Kies oder Splitt sorgt für die gewünschte Drainage.
Pflanzung: September bis Oktober
Blüte: März bis April
Farbe: weiß mit blauer Zeichnung
Standort: sonnig-halbschattig
Bodenansprüche: trocken-normal
Stauden:
Parkallee-Stockrose
Alcalthaea suffrutescens

Foto: Allgäu-Stauden GbR

Foto: Allgäu-Stauden GbR

Foto: Allgäu-Stauden GbR
Stockrosen waren früher in jedem Bauerngarten zu finden, in den letzten Jahren sind sie aber zunehmend aus der Mode gekommen. Grund dafür könnte die Kurzlebigkeit dieser imposanten Staudenriesen sein, aber auch ihre Anfälligkeit für Malvenrost. Bei den Stockrosen, um die es hier geht, handelt es sich um ausdauernde, bienenfreundliche Pflanzen, die zudem auch deutlich weniger mit Malvenrost zu kämpfen haben als viele der bekannten Stockrosen-Arten. In etlichen Gärtnereien sind sie noch unter der Bezeichnung «Alcea Hybriden» zu finden, richtig ist seit einiger Zeit allerdings der oben angegebene botanische Name, denn man hat diese Kreuzungen einer eigenen Gattung zugeordnet, deren deutscher Name wenig schmeichelhaft «Bastardmalve» lautet. Leider gibt es nur einige Sorten dieser Kreuzung, alle mit halb gefüllten Blüten. Die Ansprüche dieser Sorten sind allesamt dieselben: Sie mögen einen gut drainierten Boden, also eine Handschaufel voll Sand, feinen Kies oder Splitt ins Pflanzloch gefüllt und im Frühjahr eine Portion Kompost oder organischen Dünger. Auch ein paar Hornspäne ins Pflanzloch gegeben sind vorteilhaft. Anders, als Sie es sonst von Stockrosen gewohnt sind, treibt Alcalthaea suffrutescens erst sehr spät im Frühjahr aus. Bei ihrem Garde Maß sind sie für einen Halt dankbar, sei es um einen Zaun oder um andere Stützen. Und planen Sie einen ausreichenden Abstand zu Nachbarpflanzen ein. Der sollte mindestens 70–80 cm betragen.
Blüte: Juni bis September
Höhe: 160-250 cm
Farbe: zartgelb (Alcalthaea suffrutescens „Parkallee“), zartrosa (Alcalthaea suffrutescens „Parkfrieden“), rosa (Alcalthaea suffrutescens „Parkrondell“
Standort: sonnig
Bodenansprüche: trocken-normal
Kletterpflanzen:
Trompeten-Geißblatt
Lonicera x brownii ‚Dropmore Scarlet‘

Foto: C.D. Böhlje Baumschulen
Das bekannteste Geißblatt ist sicherlich Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium). Mit dem Trompeten-Geißblatt holen Sie sich aber einen «zahmen», anmutigen Kletterer in den Garten, der sich ausgezeichnet dazu eignet, um einen schmalen Schuppen mit angebrachtem Rankgerüst zu begrünen oder einen Rankbogen oder ein Rankgitter, die frei aufgestellt als Sichtschutz oder Raumteiler dienen, schön einzukleiden. Mit einem Maß von zwei bis drei Meter Höhe und einen halben bis einen Meter Breite, ist der sommergrüne Kletterer gut im Zaun zu halten, zumal er sehr schnittverträglich ist. Sollte er einmal unten herum verkahlen, hilft ein Rückschnitt im Frühjahr, damit er wieder ansehnlich wird. Lonicera x brownii ‚Dropmore Scarlet‘ treibt bereits sehr früh aus, oft schon im Februar, und hält das Laub bis in den November hinein, der Jahreszuwachs fällt mit 10–30 cm durchaus beherrschbar aus. Ein nährstoffhaltiger Boden wird bevorzugt. Ein echter Hingucker sind die leuchtend orange-roten Blüten, die die Pflanzen in milden Jahren schon ab April bis in den Oktober hinein zeigen können. Nach der Pflanzung sollten Sie etwas Geduld aufbringen, denn anfangs gewinnt man den Eindruck, dass der Schlinger keinen Millimeter in die Höhe wächst. Er taugt also nicht zur schnellen, dafür aber zur dauerhaften Begrünung, zumal er auch sehr frosthart und robust ist. Bei einem ständig feuchten Boden ohne Staunässe akzeptiert das Trompeten-Geißblatt auch einen sonnigen Standort, fühlt sich aber im Halbschatten wohler.
Blüte: Juni bis September/Oktober
Höhe: 200-300 cm
Farbe: orange-rot
Standort: halbschattig
Bodenansprüche: normal-feucht
Gehölze:
Rosa Kätzchenweide

Foto: C.D. Böhlje Baumschulen
Wer dieses ansprechende Gehölz zum ersten Mal sieht, reibt sich erstaunt die Augen. Es scheint unsere bekannte Kätzchenweide zu sein. Aber die Kätzchen sind nicht nur deutlich größer, sondern haben auch eine andere Farbe – nicht silbern, sondern rosa. Sie sitzen an rötlich-braunen Trieben, während die Rinde grau-grünlich ist. Das Blattwerk erscheint erst später. Dabei können Sie wählen, ob Ihnen ein Stämmchen (wie im Bild) oder ein frei wachsender Strauch lieber ist. Beide Wuchsformen fühlen sich auch in einem Kübel wohl, allerdings sollten Sie darauf achten, dass das Substrat nie austrocknet, denn Weiden sind durstig. An den Boden selbst stellt Salix gracilistyla ‚Mount Aso‘ keine großen Ansprüche, er kann sogar sauer sein. Während es die Stämmchen-Form in unterschiedlichen Größen gibt, erreicht der Strauch eine Höhe von 2 m und kann ebenso breit werden. Die Rosa-Kätzchenweide ist aber gut schnittverträglich. Der richtige Zeitpunkt dafür ist, wie bei anderen Frühlingsblühern auch, direkt nach der Blüte. Die Stämmchen sehen sehr hübsch aus, wenn sie z. B. links und rechts vom Hauseingang die Gäste begrüßen oder an der Eingangspforte des Gartens Besucher willkommen heißen, egal, ob ins Beet gepflanzt oder in den Kübel. In Strauchform beeindruckt die Rosa-Kätzchenweide dagegen durchaus in Einzelstellung, etwa als Solist im Rasen.
Blüte: März bis April
Höhe: 200 cm
Farbe: rosa
Standort: sonnig-halbschattig
Bodenansprüche: normal-feucht
Falk-Ingo Klee infizierte sich schon früh mit dem Pflanzenvirus und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem leidenschaftlichen Gärtner. Seit über 20 Jahren widmet er sich intensiv seinem Garten und probiert dabei auch immer wieder Neues aus. Die Vorliebe des überzeugten Biogärtners gilt den Zwiebelblühern, Stauden und kleinwüchsigen Blütengehölzen.